traumfischer

 

                                                                

                            

 

 

  

 

 

Die Traumfischer

     Denk dir: Auf riesenhaften dunklen Schiffen,
     segeln sie auf das Meer des Schlafs hinaus,
     bis zu den heimlichen Korallenriffen,
     dort werfen sie die langen Netze aus.
     Sehr ernste stille Leute sind die Fischer.
     Ihr Kapitän ist alt - viel älter noch,
     als du dir denken kannst und wunderlicher,
     auch ist er blind - und jeder folgt ihm doch!
     Er kennt des Schlaf-Meers 
     träumereichste Plätze.
     Die Fischer warten, bis er ruft: "Holt ein!"

 Dann ziehen sie an Bord die schweren Netze,
gefüllt mit tausend Träumen, gross und klein.
Da blinkt's und zappelt's bunt und vielgestaltig,
auch manches Gräuliche erspäht der Blick.

Gleichmütig lädt die Mannschaft und gewaltig,
nur was zu klein ist, werfen sie zurück.
Die voll beladenen Schiffe endlich laufen,
im Hafen ein mit Segeln weiss und schön,
auf einem Markt den Fang nun zu verkaufen.     

Dort hab ich alle Träume heut gesehen.
Den allerschönsten - sei er dir gedeihlich? -
hab ich für dich, mein Liebling, mitgebracht.
Hier, nimm! Du kannst ihn jetzt nicht sehen, freilich,
doch warte nur erst, wenn du schläfst heut Nacht!

aus Trödelmarkt der Träume ... von  Michael Ende 
                               

 


                               

TRÖDELMARKT DER TRÄUME

Ich war heut auf dem Trödelmarkt der Träume
am Rand der Welt, da gab es allerhand:
gestohl'nes, Weggeworf'nes und Kaputtes,
Traumzeug aus zweiter und aus dritter Hand.
Fliegende Teppiche voll Mottenlöcher,
zerbeulte Heiligenscheine, Stern und Zopf,
Luftschlösser ohne Schlüssel, rostzerfressen,
und Puppen, eins geliebt, jetzt ohne Kopf ...
 
Und unter all dem Plunder hab ich plötzlich
auch unsrer Liebe schönen Traum gesehn.
Sein Gold war blind, er war zerbrochen, aber
er war es doch - und war noch immer schön.
Ich hätte ihn dir gern zurückgegeben
und hab den bleichen Kerl danach gefragt.
Er hat mich zahnlos angegrinst, gehustet,
und einen unverschämten Preis gesagt.
 
Zwar war er's wert - trotzdem hab ich gehandelt.
Der andre schwieg, doch wurde er nicht weich.
So konnte ich den Traum nicht wiederkaufen.
Mir geht's nicht gut. Ich bin nicht mehr so reich.
Eins hätt' ich gern gewusst, als ich am Ende
mit leeren Händen abgezogen bin:
 
War er verschenkt - gestohlen - weggeworfen?
Mein Schönes, sag - wie kam der Traum dorthin?
 
von Michael Ende
 



 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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