sehnsuchtdernacht

 
Sehnsucht  der  
 
Nacht
 
 
 

         

Die schöne Nacht                                       

O wie so leicht in seligen Genüssen
                      Sich mir die Stunden jetzt dahinbewegen!
                                     Ins Auge schau' ich dir, bist du zugegen,
                                               Und von dir träum' ich, wenn wir scheiden müssen.

Oft zügeln wir die Sehnsucht mit Entschlüssen,
                       Doch will sich stets ein neu Verlangen regen,
                                     Und wenn wir kaum verständ'ger Rede pflegen,
                                                Zerschmilzt sie wieder uns und wird zu Küssen.

Der erste weckt Begier nach tausend neuen,
                       Es folgt auf Liebeszeichen Liebeszeichen,
                                     Und jedes scheint uns höher zu erfreuen.

Nun erst begreif' ich ganz den Lenz, den reichen,
                        Wenn er nicht endet, Rosen auszustreuen,
                                     Die alle schön sind und sich alle gleichen.
                                        

                                                                                                 Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1828

 

 

 

 

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